LernPuls
Sorgen und Ängste von Eltern

PISA 2025: Was die Ergebnisse für Ihr Kind bedeuten und was nicht

19. September 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Von Emirhan Solmaz · 19. September 2026

Am 8. September 2026 hat die OECD die Ergebnisse von PISA 2025 vorgestellt, und die Schlagzeilen waren so düster wie lange nicht. Deutschland liegt in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so niedrig wie noch nie seit Beginn der Studie. Viele Eltern haben uns in den Tagen danach dieselbe Frage gestellt: Betrifft das mein Kind?

Die ehrliche Antwort ist: Das kann man aus der Studie nicht ablesen. Aber man kann daraus lernen, worauf man zu Hause achten sollte. Darum geht es in diesem Artikel.

Was gemessen wurde

PISA testet alle drei Jahre 15-Jährige, in Deutschland diesmal rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen. Die Aufgaben prüfen nicht den Lehrplan, sondern ob Jugendliche Gelerntes im Alltag anwenden können: eine Tabelle richtig lesen, einen Prozentsatz ausrechnen, einen Text verstehen und bewerten.

Die Zahlen für Deutschland laut Ländernotiz der OECD: 464 Punkte in Mathematik, 465 im Lesen, 486 in den Naturwissenschaften. Gegenüber 2022 sind das 11, 15 und 6 Punkte weniger.

Die Zahl, die uns am meisten beschäftigt, ist eine andere: 34 Prozent der Jugendlichen verfehlen in Mathematik die Kompetenzstufe 2, im Lesen sind es 32 Prozent. Stufe 2 ist das Mindestniveau, das die OECD als Voraussetzung für Ausbildung und Beruf ansieht.

Was „unter dem Mindestniveau" konkret heißt

Kompetenzstufe 2 in Mathematik bedeutet zum Beispiel: eine einfache Prozentaufgabe lösen, wenn alle Angaben im Text stehen. Einen Preisvergleich zwischen zwei Angeboten rechnen. Aus einem Diagramm den richtigen Wert ablesen und damit einen Schritt weiterrechnen.

Wer das nicht kann, ist nicht dumm. Fast immer fehlt ein Fundament, das drei oder vier Schuljahre zurückliegt: Bruchrechnen, Prozentrechnen, negative Zahlen, das Umstellen einer einfachen Gleichung. Der Unterricht baut darauf auf, und wer es damals nicht verstanden hat, sitzt seitdem in jeder Stunde vor einer Wand.

Genau das sehen wir in unseren Erstgesprächen mit Neuntklässlern regelmäßig. Das Thema, wegen dem die Eltern anrufen, ist selten das eigentliche Problem.

Der Test für zu Hause

Sie müssen nicht warten, bis eine Note das Problem sichtbar macht. Zehn Minuten am Küchentisch reichen für eine erste Einschätzung. Stellen Sie Ihrem Kind ab Klasse 8 diese vier Aufgaben, ohne Taschenrechner und ohne Hilfe:

Kommen die Antworten ohne langes Grübeln, steht das Fundament. Kommt bei zwei Aufgaben ein Achselzucken oder ein „das hatten wir noch nicht", dann hatten sie es sehr wohl, und Sie haben eine Lücke gefunden, die in jeder Klassenarbeit mitläuft.

Fürs Lesen genügt ein Zeitungsartikel. Lassen Sie sich mit eigenen Worten erzählen, worum es geht und was der Autor davon hält. Wer das kann, liest auf Stufe 2 oder darüber. Wer nur den ersten Absatz nacherzählt, hat den Text nicht verarbeitet.

Eine Lücke, die Sie im September finden, kostet ein paar Wochen Arbeit. Dieselbe Lücke im Abschlussjahr kostet den Abschluss.

Der Befund, über den zu wenig gesprochen wird

Der Zusammenhang zwischen Elternhaus und Leistung ist in Deutschland so stark wie in kaum einem anderen Land. Jugendliche aus begünstigten Familien liegen in den Naturwissenschaften 125 Punkte vor Jugendlichen aus dem unteren Viertel. Im OECD-Durchschnitt sind es 85 Punkte.

Das heißt übersetzt: Wer sich Unterstützung leisten kann, holt sie sich, und der Abstand wächst. Wer sie sich nicht leisten kann, wartet ab.

Dabei muss das nicht sein. Familien mit Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Asylbewerberleistungen haben einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass das Amt Nachhilfe bezahlt, wenn ein Lernziel gefährdet ist. Die meisten wissen das nicht, oder sie scheuen den Antrag. Wir haben deshalb einen Assistenten gebaut, der die Unterlagen in zwei Minuten vorbereitet: lernpuls.de/but. Kostenlos, ohne Anmeldung.

Was Eltern jetzt tun können

Nicht in Panik verfallen. PISA misst einen Durchschnitt über ein ganzes Land. Ihr Kind ist kein Durchschnitt. Der Test oben sagt mehr über Ihr Kind aus als jede Schlagzeile.

Rückwärts suchen statt vorwärts pauken. Wenn Mathe in Klasse 9 nicht läuft, hilft es wenig, den Stoff der Klasse 9 zu wiederholen. Suchen Sie die Stelle, an der der Faden gerissen ist. Meist liegt sie in Klasse 6 oder 7.

Erklären lassen statt abfragen. „Erklär mir mal, wie du das gerechnet hast" zeigt in einer Minute, ob etwas verstanden oder nur auswendig gelernt wurde. Mehr dazu in unserem Artikel Hausaufgaben richtig, Klassenarbeit eine Fünf.

Früh handeln. Das Schuljahr hat gerade erst begonnen. Wer jetzt eine Lücke schließt, hat bis zur nächsten Zeugniskonferenz Zeit, das in Noten zu verwandeln. Wer bis zum Halbjahreszeugnis wartet, hat die Hälfte davon verschenkt.

Wie wir damit umgehen

In unserem Einzelunterricht beginnt jede neue Schülerin und jeder neue Schüler mit einer kurzen Bestandsaufnahme, nicht mit dem aktuellen Thema. Die Lehrkraft sucht die Lücke, schließt sie, und erst dann geht es an den Stoff, der gerade dran ist. Das dauert am Anfang zwei oder drei Stunden länger und spart danach Monate.

Wenn der Test oben bei Ihrem Kind zwei Achselzucken ergeben hat, schreiben Sie uns. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns gemeinsam an, wo genau der Faden gerissen ist, und sagen Ihnen ehrlich, wie viel Arbeit es ist.

Häufige Fragen

Mein Kind ist erst in der 6. Klasse. Ist PISA für uns überhaupt relevant? Gerade dann. Die Lücken, die bei 15-Jährigen gemessen werden, entstehen zwischen Klasse 5 und 7. Das ist der Zeitraum, in dem Bruchrechnen, Prozentrechnen und negative Zahlen eingeführt werden. Wer hier aufpasst, hat später kein Problem.

Sind die Ergebnisse eine Folge der Corona-Jahre? Zum Teil. Die Jugendlichen von PISA 2025 waren während der Schulschließungen in Klasse 4 bis 6. Der Rückgang hatte aber schon vor 2020 begonnen, er ist seitdem nur schneller geworden.

Hilft mehr Üben zu Hause? Nur, wenn am richtigen Thema geübt wird. Zwanzig Aufgaben zum aktuellen Stoff bringen wenig, wenn das Problem drei Jahre zurückliegt. Erst die Lücke finden, dann üben.

Was ist mit dem Lesen? Da kann ich als Elternteil doch wenig tun. Mehr, als Sie denken. Jugendliche, die zu Hause über Gelesenes sprechen, und sei es ein Nachrichtenartikel oder eine Serienfolge, schneiden in Lesetests deutlich besser ab. Es geht nicht um Bücher, sondern um das Reden über Inhalte.

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